Land Art | Arbeiten in Formine/Italien 1985

Performance


Ein Sonnenkompass ist in die Landschaft eingeschrieben. Hier, in der Himmelrichtung Süd, erzählt die Performance ‚Philemon + Baucis' bei einem Festmahl eine alte Liebesgeschichte.

Detail


100 Granitsteine zeigen in Richtung Nord

Sonnenkompass

Das waldreiche Bergland an den Ufern des Lago Maggiore war mit Beginn des 20. Jh. völlig verarmt. Viehbauern mit ihrer traditionell dreistufigen Weidewirtschaft und den dazu gehörenden Dörfern am Seeufer, in mittlerer Hanghöhe und auf der Alm mußten ihre Region verlassen, um Industriearbeitsplätzen und neuen Märkten hinterher zu ziehen. Das kleine Bergdorf Formine wurde 1953 von seiner letzten Bewohnerin verlassen und alle Parzellen aus dem Kataster gelöscht. Erst 25 Jahre später wird ein Bremer Kunstverein es wiederentdecken, einige Häuser kaufen und wieder ins Grundbuch eintragen lassen und damit beginnen, Formine zu einem Treffpunkt für deutsche und italienische Wissenschafter und Künstler auszubauen.

Die Geschichte hat in den umgebenden Kastanienwäldern Spuren hinterlassen: zusammengefallene Schutzhütten als Steinhaufen, in denen nur Eingangspfosten und Türsturz noch erkennbar sind, der alte Pferch als baumlose Lichtung. Mit der Arbeit Sonnenkompass werden diese Spuren in Szene gesetzt. Zwei sich gegenüberliegende ehemalige Schutzhütten markieren Richtung Ost–West und sind Bühne für die Performance ‚Philemon und Baucis'. Eine Pflanzenachse aus Alchemilla mollis zeigt nach Süden, eine Granitachse aus Fundsteinen nach Norden. Die Himmelrichtungen sind mit gelben, halbtransparenten Scheiben angezeigt.

Material:
100 Pflanzen Alchemilla mollis( Frauenmantel), 100 Granitsteine, 30 Meter gelbe Seide, 4 Eisenbeschläge alter Wagenräder